Portrait
„Meine Nerven möchte ich haben.”

Kinder, Katzen, KRONE und Küche
Es gibt Menschen, über die weiß Conny Bischofberger mehr als über sich selbst. Das Allermeiste davon steht in der „Krone“. Interviews bis zur Gürtellinie, aber nicht darunter. Gesprächspartner, die sich in aller Offenheit geborgen fühlen. Der Leser in der Hauptrolle: Er denkt sich seinen Teil. Was man über Conny Bischofberger wissen darf: Alemannische Seele unter dem urbanen Tempo und Lebensstil. Olympische Triumphe oder elendige Niederlagen: Menschen erzählen es gerne zuerst CB. Als Chefin wie als Autorin der Stehsatz: „Wir müssen die Geschichte zuerst haben.“ Anderenfalls wäre die Bregenzerwälder Wirtstochter nicht gut auf sich und andere zu sprechen. Nur keinen Schnee von gestern aufwirbeln.
Nur wer die wunderbare Langsamkeit des Seins kennt, kann diesen Affenzahn drauf haben und durchhalten. Früh morgens, wenn sich Bibi und Mimi (und der kohlrabenschwarze Mogli, der nicht mit aufs Bild wollte) auf dem Schreibtisch querlegen, kommt Conny Bischofberger auf der Tastatur in Fahrt. Die Katzengeschwister geben den Ton an: Sie haben alle Zeit und Zärtlichkeit der Welt. Gleich nach den beiden Buben (die ihr Temperament übrigens auch nicht gestohlen haben) sind die drei Tiger die zweitwichtigsten Wesen in Connys Kosmos. Allein mit Bibi und Mimi vor der nackten Seite am Computer, das ist Grenzwert zur Glückseligkeit.
Menschen studieren – das war der Traum der siebzehnjährigen Aspirantin, als sie barfüßig in Bregenz die erste Redaktion betrat. Die Neugier ist geblieben, das Schuhwerk den Anlässen angepasst, von Stiletto bis Gummistiefel.
Hart aber nicht gnadenlos. Einfühlsam aber nie gefühlsduselig. Die Mischung macht die Interviews zur Marke. Jede Begegnung in zwei Grundgedanken verankert: Du darfst dich nicht von der Sympathie deines Gegenübers davontragen lassen. Und: Du sollst jedem Interviewpartner auch danach noch in die Augen schauen können.
Kinder, Katzen, KRONE und Küche – die Grenzen zwischen Disziplin und dolce vita dürfen fließen. Open-End-Debatten am großen Holztisch neben dem Tepanyaki-Grill, dann übersiedeln auch die Katzen vom Computer in die Kulinarik.
Das Leben ist ein langer unruhiger Fluss; nichts schöner als über bewegte Menschen zu schreiben. Politische Parolen entziffern, bis sie persönliche Bekenntnisse sind. Stars oder Sternschnuppen, Forscher oder Boss: Dahinter steht immer ein Mensch, meist einer der schwer zu knacken ist.
Meine Nerven möchte ich haben, seufzt Conny Bischofberger manchmal. Und dass es sonst nicht viel zu sagen gibt: Raucht ab und zu eine Zigarillo, trinkt gelegentlich einen Schluck aus dem Fingerhut. Statt Kampfsport gelernte Mediatorin, statt Society ein gepflegtes Buch.
Wenn jemand Frau Bischofberger auf dem Kronleuchter sehen will: Bischofberger mit S in der Mitte schreiben. (Mein Name ist Bischofberger, Conny Bischofberger, mit OHNE S.)
Marga Swoboda

Curriculum Vitae
Geboren
21. Mai 1960 in Mellau, Vorarlberg
Ausbildung
1978 Matura, 1979 Beginn des Jus-Studiums in Innsbruck, abgebrochen nach erster Staatsprüfung
Karriere
| 1978 – 1983 | Redaktionsaspirantin bei der „Neuen Vorarlberger Tageszeitung“ in Bregenz |
| 1983 – 1985 | Redakteurin beim „St. Galler Tagblatt“ in St. Gallen/Schweiz |
| 1985 – 1991 | Redakteurin beim „Kurier“ in Wien. Ab 1988 Sonntags-Kolumnistin (Interview-Porträt „Zur Sache“) |
| 1985 – 1987 | Freie Mitarbeiterin bei der „Weltwoche Zürich“ |
| 1988 | Freie Mitarbeiterin beim Magazin „Basta“ |
| 1989 – 1990 | Gesellschaftskolumnistin beim Magazin „Wienerin“ |
| 1991 – März 2006 | Interviewerin bei der „Kronen Zeitung“ (Sonntags-Kolumne „Persönlich“) |
| 1994 – 1999 | Kolumnistin für „Bild am Sonntag“, Hamburg („Das große Partner-Interview“, „Das Generationen-Interview“, „Das Geschwister-Interview“) |
| 2001 – 2002 | Mitglied der Chefredaktion beim Magazin „Woman“ (News-Verlag) |
| 2003 | Ausbildung zur Mediatorin |
| 2003 – 2004 | Chefredakteurin der täglichen Radio-Talkshow „Resetarits live“ auf kronehit |
| Ab 2005 | Interview-Seminare für die Medienakademie Burgenland, die Fellner-Medienakademie, das österreichische Kuratorium für Journalistenausbildung und die Katholische Medienakademie |
| 2005 | Gründung des Vereins „Media & Education“ – Institut für Erziehung und Kommunikation in Wien, gemeinsam mit der Psychotherapeutin und Erziehungsberaterin Dr. Martina Leibovici-Mühlberger |
| 2006 – 2011 | Interviewerin beim „Kurier“ (bis 2009 Chefin des „Sonntag-Kurier“) |
| 2006 | Dritter Platz bei der „Wahl zum Journalisten des Jahres 2006“, Kategorie Chefredakteurin |
| 2007 | Autorin der Biographie Helmut Zilk „Meine drei Leben“ – erschienen im Amalthea Verlag |
| Ab Oktober 2011 | Interviewerin und Kolumnistin bei der „Kronen Zeitung“ („Persönlich“, „Moment“) |
| 2015 | Autorin des Buches „Reden wir über Geld“ – mit Niki Lauda, erschienen im Verlag edition a |
| 2020 | Autorin des Romans „Herzschweißen“ – erschienen im Verlag edition a |
| 2021 | Autorin des Romans „Eisschwimmen“ – erschienen im Verlag edition a |
| 2022 | Autorin des Buches „Reden wir über Politik“ – mit Sebastian Kurz, erschienen im Verlag edition a |
Privat
Zwei Söhne: Alex, 28 und Christof, 23
Hobbys: Reisen, Kochen, Flohmärkte, Yoga
