Conny Bischofberger

„Alle kuschen doch vor dem Islam“

Sabatina James

29. Mai 2010 · erschienen in KURIER

Die ehemalige Muslimin Sabatina James wird mit Mord bedroht, seit sie sich gegen die Zwangsheirat gewehrt hat. Bis heute ist die 28-Jährige
auf der Flucht. „ Bitte, schreiben Sie nicht meinen richtigen Namen. Sonst kriege ich ein großes Problem mit meiner Sicherheit.“
Seit Sabatina James bei Markus Lanz im ZDF ihre Geschichte erzählt hat, wird sie auf den Straßen erkannt. Gegen die 28-jährige österreichische
Staatsbürgerin gibt es immer wieder Morddrohungen, deshalb genießt die gebürtige Pakistanerin Opferschutz der deutschen Polizei. Sabatina James
ist nicht ihr richtiger Name. Es ist ihre neue Identität, seit sie sich der Zwangsverheiratung mit ihrem Cousin und den ihrer Meinung nach
frauenfeindlichen Regeln des Islam widersetzt hat und zum Christentum konvertiert ist.
Wir erreichen Sabatina James in der Wohnung einer Freundin. Im Interview mit dem KURIER spricht sie Tabuthemen an, die die „Political Correctness“ verbietet: Islamisierung, Zwangsehen, sogenannte Ehrenmorde. „Mitten in Europa werden Frauen aus islamischen Ländern noch
immer eingesperrt, an wildfremde Männer verkauft, manchmal sogar, wie
gerade in Hamburg geschehen, getötet“, sagt die streitbare ehemalige
Muslimin, „das ist es, wogegen ich kämpfe.“

Wie und wo leben Sie heute?

Sabatina James: Ich weiß eigentlich gar nicht, wo ich zuhause bin.

Zuletzt habe ich in Mannheim gewohnt, bis es auch da zu gefährlich

wurde, weil in der Moschee schon über mich getuschelt wurde. Ich habe

dort einem Mädchen geholfen, das von ihrem Vater blutig geschlagen und

als Haussklavin gehalten wurde. Wo ich als nächstes hingehe, weiß ich

noch nicht . . .

Sie waren mit vielen Vorwürfen konfrontiert, unter anderem wird von
Internet-Bloggern noch immer behauptet, Sie seien in Wahrheit zweimal
verheiratet gewesen und hätten Brautgeld kassiert.

Diese Lügen stammen von Menschen, die auf unterstem Niveau vom Thema

ablenken wollen. Es stimmt auch nicht, dass ich die Moslems hasse. Ich

liebe die Moslems, ich liebe Pakistan, aber ich kämpfe dagegen, dass

dort Frauen- und Menschenrechte mit Füßen getreten werden.

Nacktfotos, die das Magazin „News“ 2003 veröffentlicht hat, waren nicht
gerade hilfreich.

Das waren keine Nacktfotos. Man sah meine Brüste, na und? Dafür schäme

ich mich nicht. Ich bin damals eben an die Grenzen meiner Freiheit

gegangen. Ich hab’ Minis so schmal wie ein Gürtel getragen. Und

schließlich das Angebot eines Fotografen angenommen, solche Bilder –

nur für mich privat – zu machen. Dann wurden diese Fotos gegen meinen

Willen veröffentlicht. Auch das lenkte wunderbar vom Thema ab.

Ist das der Grund, warum Sie heute in Deutschland leben?

Nein. Nach Deutschland bin ich gegangen, weil ich mich in Österreich

sowas von hilflos gefühlt habe. Als ich zur Polizei ging und den Beamten

sagte, dass ich in Pakistan zwangsverheiratet werden sollte, dass meine

Eltern mir mit Mord gedroht haben, weil ich zum Christentum konvertiert

bin, meinte der Polizist: Na, dann werden’s halt wieder Moslem! Diesen

Satz werde ich nie in meinem Leben vergessen. Österreich hat mich nicht

beschützt. Und ich kann mir vorstellen, wie es ganz vielen anderen

muslimischen Frauen geht – nicht nur in Österreich.

Sie geben gern dem Islam die Schuld an der Situation dieser Frauen.
Damit beleidigen Sie doch Menschen, die aus Überzeugung diese Religion
leben – weltweit immerhin fast 2 Milliarden.

Ich beleidige niemanden, denn ich bin nicht verantwortlich dafür, wie

Menschen verstehen möchten, was ich sage.

Für mich persönlich sind

Muslime wertvolle Menschen, aber wenn im Islam nicht endlich Reformen

passieren, dann ist diese Kultur mit der westlichen Kultur nicht

kompatibel.

Sind nicht einzelne Fanatiker das Problem, die die Religion für ihre
Zwecke missbrauchen?

Wenn es einzelne Fanatiker wären, dann hätten wir nicht Millionen

Frauen, die in einer Zwangsheirat leben.

Dann könnte es nicht sein, dass das gesellschaftliche Ansehen, die

Familienehre mehr wert ist das als Leben einer Tochter. Meine Eltern

sind weder Terroristen noch Tyrannen. Trotzdem wurde ich geschlagen und

mit dem Tod bedroht, weil ich mich ihren Vorstellungen und

gesellschaftlichen Zwängen widersetzt habe.

Wie sollte mit solchen Eltern Ihrer Meinung nach umgegangen werden?

Ich habe das im Deutschen Bundestag bereits gesagt. Die Politik sollte

endlich eine Studie in Auftrag geben über die wahre Situation der

muslimischen Mädchen. Denen geschieht einfach Unfassbares, weil sie

schon im Kindesalter verheiratet werden. In Deutschland geht man von

über 1000 Zwangsheiraten im Jahr aus, die Dunkeziffer ist weit

höher. Und das in einem westlichen Land! Solche Eltern gehören

meiner Meinung nach ausgewiesen.

So spricht in Österreich Heinz Christian Strache. Spielen Sie da
Handlangerin für das rechte Lager?

Ganz bestimmt nicht, denn ich zweifle an Straches Motivation. Das würde

ich eigentlich von SPÖ und ÖVP erwarten, dass sie sich dieses Themas

annehmen. Das werfe ich den regierenden Parteien bei euch in Österreich

vor: Dass ihnen außer politisch korrekte Zurückhaltung und

Beschwichtigungen nichts einfällt, obwohl sie den Ernst der Lage

kennen. Sie treten gegenüber den Migranten ohne jedes Selbstbewusstsein

auf, kein falsches Wort kommt ihnen aus Angst vor Rassismus über die

Lippen, alle kuschen sie doch vor dem Islam!

Was würden Sie sagen?

Ganz klar und unmissverständlich: Liebe Moslems, wir freuen uns, dass

ihr gekommen seid. Aber bei uns gibt es Gesetze, und wenn euch die nicht

passen, dann bitte, ab zurück nach Hause. Ich sage das auch auf die

Gefahr hin, dass das jemand ausländerfeindlich findet. Viel

rassistischer ist meiner Meinung nach ein System, das unvorstellbares

Leid von Millionen Frauen zulässt.

Dann sind Sie sicher auch für das Minarettverbot, das die Schweizer
beschlossen haben.

Ja, das finde ich richtig. Weil zur Religionsausübung keine Minarette

notwendig sind. Vielmehr sollten die westlichen Länder dem „Tötet die

Ungläubigen“ des Islam die stärkere Botschaft, unser „Liebe deinen

Nächsten“ entgegensetzen.

Sabatina, was war bei ihnen der Moment, wo Sie wussten, dass das nicht
Ihre Welt ist, dass Sie ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben führen
wollen?

Das war, als ich in Pakistan war, dort hatten wir eine Nachbarin mit

vier Töchtern. Ich hörte diese Frau jeden Tag schreien, wenn ihr Mann

sie wieder einmal brutal geschlagen hatte.Ich wollte rüber, ihr helfen,

aber meine Tante sagte, das würde nichts ändern. Ich wusste: Das ist

Unrecht, das werde ich niemals zulassen. Aber mich quälten auch Zweifel,

ob ich vielleicht nach etwas strebte, nur weil ich es nicht haben kann.

Was war das schlimmste Erlebnis, als Sie in Pakistan, mit gerade einmal
17 Jahren, gefügig gemacht werden sollten?

Dass meine Eltern mich der Sexualität meines Cousins ausgesetzt haben –

diese Männer zitieren den Koran doch nur, wenn es ihnen was nützt! Und

am Ende ist die Frau schuld, denn sie ist ein schmutziges, teuflisches

Wesen und hat ihn verführt. So lautet in etwa das Frauenbild, das in

manchen Koranschulen unterrichtet wird.

Fragen Sie sich nicht manchmal, ob sich das alles gelohnt hat?

Doch, sehr oft. Ich möchte dann einfach nach Hause fahren und aufgeben.

Aber wenn ich an die Mädchen denke, die sich mir anvertraut haben, die

mich brauchen, die ich mit meiner Organisation beschützen kann, dann

gehe ich meinen Weg weiter. Obwohl nur ich und Gott wissen, wie das ist,

zehn Jahre lang ohne Familie zu leben.

Was möchten Sie Ihrer Familie sagen, wenn Sie die Möglichkeit hätten?

Dass ich sie über alles liebe.